Was versteht man unter einer Immobilienblase?

Spätestens seit 2007 ist das Wort „Immobilienblase“ in aller Munde, und heute droht sie nach Meinung einiger Experten in Deutschland zu wachsen. Doch was ist eine Immobilienblase genau? Wie entsteht sie, und welche Folgen hätte ein „Platzen“ der Blase für Hausbesitzer, Käufer und Verkäufer? Die Antwort auf diese Fragen erfährst du in diesem Artikel.

Was ist eine Immobilienblase?

Unter einer Immobilienblase versteht man die starke Nachfrage nach überbewerteten Häusern und Wohnungen – also Immobilien, deren Kaufpreis weit über dem Marktwert liegt. Voraussetzung dafür ist, dass Käufer bereit sind, diesen überteuerten Preis zu zahlen. Das kann mehrere Gründe haben:

  • niedrige Sparzinsen, die Immobilien zur attraktiven Alternative für Anleger machen
  • günstige Zinsen für Immobilienkredite
  • Hohe erwartete Rendite durch steigende Immobilienpreise

Natürlich hat das Wachsen der Blase ein Limit: Ab einem bestimmten Punkt sind immer weniger Menschen in der Lage, die überteuerten Immobilien zu bezahlen – oder ihren Kredit zu bedienen. Das sorgt für einen Rückgang der Nachfrage und damit der Preise. Wenn dies schlagartig geschieht, „platzt“ die Immobilienblase.

Beispiele einer Blase

Neuere Beispiele sind die Schweizer Immobilienblase der 1990er Jahren und die spanische Spekulationsblase von 2002–2007. Am verheerendsten für die Weltwirtschaft wirkte sich jedoch 2007 die Immobilienblase in den USA aus:

Bei dieser vergaben US-Banken günstige Kredite, um Kunden den Hauskauf zu ermöglichen – auch wenn diese nur unzureichende Sicherheiten vorweisen konnten. Das Risiko von Zahlungsausfällen wurde durch die stetig steigenden Immobilienpreise ausgeglichen. Als jedoch immer mehr Kreditnehmer ihre Zinsen nicht mehr bedienen konnten und Zwangsversteigerungen zunahmen, sanken die Preise drastisch. Zahlreiche auf Immobilien basierte Finanzprodukte wurden über Nacht wertlos, was die Weltwirtschaft in eine jahrelange Krise stürzte.

Befindet sich Deutschland aktuell in einer Immobilienblase?

Viele Anzeichen, die oben genannt wurden, treffen auf die aktuelle Situation in Deutschland zu: Während sich die Sparzinsen auf einem Rekordtief befinden, steigt der Wert von Immobilien besonders in Ballungsräumen stetig an. Investoren werden mit günstigen Krediten „belohnt“, und eine signifikante Zunahme des Angebots – also des Wohnraums – ist zurzeit nicht zu beobachten.

Ob und wann die Blase in Deutschland jedoch platzt – darüber herrscht Uneinigkeit. Während einige Experten im Zuge der Corona-Krise vor Zahlungsausfällen warnen, die zu Zwangsverkäufen und damit einem Rückgang der Nachfrage führen könnten, gibt es auch entwarnende Stimmen. Diese stützen sich auf folgende Argumente:

  • Die Kreditvergabe in Deutschland folgt weiterhin strengen Kriterien – anders als beispielsweise zum Höhepunkt der US-Immobilienblase von 2007.
  • Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise sind temporärer Natur, und das günstige Zinsniveau macht Immobilien nach wie vor für Anleger interessant.
  • Das überteuerte Preisniveau betrifft vor allem Großstädte, während die Preise im ländlichen Raum weniger rapide ansteigen.

Aus diesen Gründen bezweifeln viele Experten, dass in Deutschland überhaupt eine Immobilienblase herrscht.

Handlungsempfehlungen

Wer seine Immobilie nicht verkaufen möchte, ist vom Platzen einer Immobilienblase kaum betroffen. Eine Ausnahme liegt vor, wenn die Immobilie noch nicht abbezahlt ist und eine Anschlussfinanzierung nötig wird. Diese wäre bei rapide gesunkenen Immobilienpreisen mit einem höheren Zinssatz verbunden und damit deutlich teurer.

Logischerweise rentiert sich der Hausverkauf besonders auf dem Höhepunkt einer Immobilienblase – dann also, wenn der Kaufpreis weit über dem Sachwert liegt. Ist die Blase dagegen geplatzt, kommt es meist zu einer „Lawine“ an Verkäufen. Wer seine Immobilie nicht unter Wert veräußern möchte, sollte warten, bis die Nachfrage wieder steigt – und das Objekt alternativ vermieten oder verpachten. Für Käufer gilt der umgekehrte Fall: Diese können nach dem Platzen der Immobilienblase ein echtes Schnäppchen schlagen.

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